Stephania Steuerwald ist Mitglied im Verein Erbsenpicker und schätzt das selbstgeerntete Gemüse und die Arbeit auf dem Feld sehr. ald
1/1 Stephania Steuerwald ist Mitglied im Verein Erbsenpicker und schätzt das selbstgeerntete Gemüse und die Arbeit auf dem Feld sehr. ald
12.11.2017 12:04

Erbsenpicker – die Gemeinschaftsgärtner

Aussäen, umtopfen, giessen, jäten, giessen und jäten und nochmal giessen – und ernten. So sieht die Arbeit der Erbsenpicker auf ihrem Feld und im Gewächshaus in Sünikon aus. Die Belohnung: leckere Gemüse und Kräuter aus eigenem Anbau sowie absolute Kontrolle über die Herstellung.

Steinmaur Christian Dünki aus Sünikon, einem Ortsteil von Steinmaur, wollte schon immer selber die beiden Felder seines Vaters bestellen. Gemeinsam mit seiner Frau Liliane Roth sichtete er verschiedene Projekte, die sich mit der solidarischen Landwirtschaft beschäftigen. Aus den gesammelten Ideen entstand Anfang 2017 der Verein Erbsenpicker. Zehn Parteien meldeten sich auf einen Aufruf und beteiligen sich an dem Projekt. Der Deal: Nebst dem Mitgliederbeitrag packen alle im Gemeinschaftsgarten mit an, der eine Viertel Hektare gross ist und in dem Gemüse, Kräuter und Blumen in biologischer Methode angebaut werden. Christian Dünki informiert regelmässig, was wann gemacht werden muss. Wer gerade Zeit hat, übernimmt die aktuelle Aufgabe. Sobald geerntet werden kann, ist jeweils am Donnerstag «Abholtag».

Körbeweise Gemüse

Stephania Steuerwald und ihre Familie gehören zu den ersten, die sich gemeldet haben: «Oft begleitet mich meine Tochter bei der Arbeit auf dem Feld.» Beim Eintritt in den Verein gibt man an, wie viele Personen im Haushalt leben und bezahlt einen entsprechend grossen Erntekorb für ein Jahr. An ungefähr 30 Wochen jährlich möchte der Verein den Mitgliedern einen Korb zur Verfügung stellen, wobei das Wetter über dessen Inhalt bestimmt. «Wir hatten in diesem Jahr immer genug im Korb, so dass wir nichts hinzukaufen mussten», erinnert sich Stephania Steuerwald an das erste Erbsenpicker-Jahr, das gleichzeitig ein Experiment war, ob die solidarische Landwirtschaft funktioniert. Gelungen ist sie: «Wir hatten immer mehr als genug Salat, und auch sonst haben wir sehr abwechslungsreich gegessen.» Auch über den besseren Geschmack von selbstgezogenem Gemüse lässt sich nicht streiten: «Klar haben uns die Schnecken auch mal etwas weggefressen, aber das gehört nun mal dazu. Rüebli in den lustigsten Formen und Grössen ernten zu können lohnt den Aufwand allemal. Auch wenn es nicht immer nur Spass macht – im strömenden Regen zu ernten ist nicht lustig.» Nebst einem interessanten Hobby, vielen leckeren Mahlzeiten und dem grossen Lerneffekt hat das Feld in Sünikon für Stephania Steuerwald einen unbestechlichen Vorteil: «Meine Tochter mag Gemüse ja gar nicht. Aber seit wir auf dem Feld mithelfen, hat sie angefangen, einzelne Sachen vermehrt zu essen. Ihr Interesse am Thema Essen ist allgemein gestiegen.» Der Verein www.erbsenpicker.ch ist ab sofort bis Ende November offen für neue Mitglieder, da die Saatgutbestellung für 2018 ansteht.

Alina Dubach